Einkehrtag des PGR in Grafenwiesen

PGR-Sprecher Joachim Bauer dankt Pfarrer Konrad
PGR-Sprecher Joachim Bauer dankt Pfarrer Konrad

Thema: Islam - Bruder oder Rivale?

Pfarrer Dr. Konrad aus Viechtach entführte am vergangenen Samstagnachmittag im Rahmen eines Einkehrtages Gläubige aus Grafenwiesen in die Geschichte des Islam. Wie verhält es sich zwischen Christentum und Islam? Mit dieser Frage setzte sich Pfarrer Konrad – später auch im Gespräch mit den Gläubigen – eingehend auseinander. Sind die beiden Religionen nun Brüder oder Rivalen?

Wie den Ausführungen des Referenten zu entnehmen war, ist der Islam im 7. Jahrhundert nach Christus in Arabien durch den Propheten Mohammed gestiftet worden. Nach den Worten des Pfarrers sind Christentum und Islam zunächst durchaus Brüder, da sie kulturell und in der Entstehungsphase im selben Raum, nämlich im mittleren Osten, angesiedelt sind. Beide Religionen haben mit der Antike zu tun und eine gemeinsame Geschichte. Das zeigt sich dadurch, dass Bibel und Koran in vielen Textpassagen sehr ähnlich sind. Das wiederum schließt der Redner daraus, dass es zu Anfang eine Schöpfungsgeschichte gibt und damit dann einen Neuanfang mit Urvater Abraham. Der Gründer des Islam, Mohammed, war nicht nur religiös, sondern auch politisch und militärisch engagiert. Es gab aber auch Auseinandersetzungen zwischen Christentum und Islam. Unter anderem ist dies auch darin begründet, dass sich der Islam als die Urreligion sieht. Das Christentum hat ein evolutives, der Islam ein statisches Geschichtsverständnis. Hier ein Beispiel: im Christentum ist das Ende der Entwicklung das Reich Gottes, im Islam ist Mohammed die letzte Chance, er verkündet aber nichts Neues. Ein weiteres Beispiel:  Im Christentum haben der Kanon aus AT und NT und die Kirche die Aufgabe, die Offenbarung gleichzeitig zu bewahren und in die sich weiterentwickelnde Geschichte zu übersetzen. Im Islam ist der Koran explizit in arabischer Sprache verkündet, aber für alle Menschen verbindlich. Gott ist der einzige Autor, der Koran ist die wörtliche Rede Gottes in poetisch gebundener Sprache, es gibt keinen traditions-geschichtlichen Einfluss durch die Schriften der Juden und Christen.

Zum Schluss seines in allen Punkten aussagekräftigen Vortrages erläuterte Dr. Konrad zur Schriftwerdung der Offenbarung die unterschiedlichen Sichtweisen zwischen Bibel und Koran, nämlich zum einen, dass die mündliche Glaubenstradition den schriftlichen Kanon ergänzt (Bibel) und zum anderen gelten mündliche Traditionen aus dem Leben des Propheten Mohammed als Hilfe zur Interpretation des Koran. Die Veranstaltung fand ihren Abschluss in der Feier des Vorabendgottesdienstes in der Pfarrkirche. (hwp)

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