Jubiläum 400 Jahre Heilige Dreifaltigkeit Grafenwiesen


Bericht: Heinz Pletl

Die Grafenwiesener Pfarrkirche ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Das Fest fällt auf den ersten Sonntag nach Pfingsten. In diesem Jahr konnte die Pfarrgemeinde das 400-jährige Jubiläum der Pfarrkirche feiern. Wir berichten aus der Pfarrchronik unter Hinzuziehung des Sprechers des Arbeitskreises Dorfgeschichte Roland Häring.

 

Den rechten Seitenaltar der Pfarrkirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Grafenwiesen ziert seit 1965 eine äußerst interessante Darstellung, die aber Rätsel aufgibt. Stellt sie Gottvater dar oder verkörpert sie Christkönig? Warum segnet er mit der linken Hand? Und, wer hat diese spätgotische Schnitzarbeit wann geschaffen? Ein Blick in die Vergangenheit hilft weiter.

 

Der Bad Kötztinger Heimatforscher Ludwig Baumann hat die Herkunft dieser Figur erforscht und interessante Einzelheiten ans Licht gebracht. In Neukirchen beim Heiligen Blut wurde zwischen 1611 und 1614 die Wallfahrtskirche erweitert und der Altarraum neu gestaltet. Bis dahin standen dort im Presbyterium zwei Altäre: der Dreifaltigkeitsaltar und ein Schreinaltar mit dem Gnadenbild. Die Umgestaltung wertete den Marienaltar zum Hochaltar auf. Der Dreifaltigkeitsaltar war nun überflüssig und wurde entfernt. Diese Baumaßnahme finanzierte der bayerische Herzog Maximilian. Mit der Bauaufsicht vor Ort hatte er den Further Schlosshauptmann Mathias Rosenhammer betraut. Dieser hatte zuvor im Jahre 1610 die Hofmark Grafenwiesen gekauft. Er baute sowohl das dortige Schloss als die Schlosskirche um. Rosenhammer erbat aus München die Weisung, was mit dem alten Choraltar zu geschehen sei. Der „Kasten“ (Altaraufbau) sei nicht mehr zu gebrauchen, aber „die drei Bilder der heiligen Dreifaltigkeit“ könnten einem nächst gelegenen Gotteshaus verkauft oder geschenkt werden. Offensichtlich hatte Rosenhammer sein eigenes Interesse im Auge. Maximilian genehmigte mit dem Schreiben vom 4. Juli 1612 die Schenkung an ein „bedürftiges Gotteshaus“. So fügte es sich, dass der Neukirchener Dreifaltigkeitsaltar – eine Dreifaltigkeitsgruppe – nach Grafenwiesen kam und den Hochaltar in der Schlosskirche beherrschte. So hatten die Figuren der Heiligsten Dreifaltigkeit eine neue Heimstatt gefunden. Und sie begründeten in Grafenwiesen somit das seit 400 Jahren bestehende Dreifaltigkeitspatrozinium.

 

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in der Schlosskapelle ein neuer Hochaltar mit Bildhauerarbeiten aus der Werkstatt des Kötztinger Bildhauers Johann Paul Hager aufgestellt. So gelangte die ehrwürdige, zum zweiten Mal entbehrlich gewordene Dreifaltigkeitsgruppe in die Kapelle beim Zittenhof. 1938 wurde in die Zittenhof-Kapelle eingebrochen. Die Diebe nahmen eine Figur der Dreiergruppe mit. Die mittlere Figur, ein Kopf mit Schultern, nach unten wie ein Keil zugeschnitten, soll ein „fliegender Händler“ mitgenommen haben. Als 1965 die Pfarrkirche renoviert wurde, stiftete der Zittenhofbauer Ludwig Sponfeldner die übrig gebliebene (Christkönig- oder Gottvater-) Figur für den rechten Seitenaltar der Pfarrkirche. Nach Auskunft des Landesamtes für Denkmalpflege wurde damals bei einer gründlichen Renovierung der Figur deren Entstehungszeit auf ca. 1480 geschätzt.


 

 

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