Bericht über die Assisi-Fahrt der Minis 2013


Auf den Spuren von Franz von Assisi (Bericht: Heinz Pletl)

Der Franziskusweg, der durch Mittelitalien, durch die Toskana, Umbrien, bis Latium führt, war das Ziel der Ministranten aus Grafenwiesen, Rimbach und Zenching. Der ganze Weg ist über 350 Kilometer lang. Da nur vier Tage zur Verfügung standen, hatten Pfarrer Seidl und Jo Sterr vier Etappen ausgewählt mit einer Gesamtlänge von etwa 52 km. Bei dieser Fußreise ging es nicht um ein sportliches Wandern, sondern um eine geistliche Erfahrung im Gehen. Auf den Wegen zu gehen, die der heilige Franziskus selbst sehr oft gegangen ist, in seinen Spuren sozusagen, um so auch der Person und der Botschaft des Heiligen der Armut zu begegnen, war der Grund für diese Reise. Trotzdem waren immer wieder hügelige Landschaften mit zum Teil längeren Steigungen zu durchschreiten. Das ganze kostete auch Kondition und Kraft. Die wunderbare umbrische Landschaft und eine gute Versorgung der Teilnehmer halfen dabei, die Anstrengungen zu bewältigen. Vier Etappen hatten sich Pfarrer Seidl und Jo Sterr vorgenommen und von langer Hand geplant. Die Gruppe sollte sich von Norden kommend langsam Assisi annähern. Noch vor der Wahl des Papstes Franziskus war die Organisation angelaufen. Dass sich dann noch der neue Papst nach dem Heiligen benannte war für beide eine Bestätigung und beflügelte die Vorbereitungen.

Zusammen mit einigen Helferinnen und Helfern war eine Gruppe von 48 Personen zusammengekommen, die sich am 1. September um 5 Uhr früh per Bus nach Assisi aufmachte. Am frühen Abend erreichte sie den Campingplatz Village bei Assisi. Dort schlugen sie die Zelte auf. Es war der Lagerplatz, zu dem die Gruppe immer wieder nach jeder Etappe zurückkehrte. Etwa zwei Kilometer vom Campingplatz entfernt erhebt sich die Kirche Santa Maria von den Engeln, die in sich die Portiunkulakapelle birgt. Der heilige Franz hatte dort nach seiner Bekehrung in Hütten aus Lehm und Reisig gelebt und eine halb verfallene Kapelle der Benediktiner wieder aufgebaut. Der Benediktinerorden schenkte dann dem Franz jenes Portiunkula. Das ist lateinisch und heißt „kleines Fleckchen, kleiner Anteil“.

Der Montag, 2. September, begann nach einer Gebetsrunde mit dem Frühstück, das Jo Sterr mit einigen Helferinnen vorbereitete. Dann wurde per Bus der Ausgangspunkt der ersten Etappe angefahren. Von Casamorcia aus ging die Ministrantenschar dann bis Gubbio. Am dortigen römischen Theater machten die Minis mit Pfarrer Seidl und den Begleitpersonen eine Pause und gingen zur Kirche San Francesco. An diesem Ort wohnte einst der Wollkaufmann Spadalunga, der den Franziskus nach seiner Loslösung von seinen Eltern in sein Haus aufnahm und ihm einen einfachen, grob gewebten Umhang schenkte, der später zum Vorbild der Mönchskutten des Ordens wurde. Nach dem Besuch der Stadt Gubbio mit ihren über 500 Jahre alten gewaltigen Bauwerken und einer Eispause kamen sie an den Ort, an dem der Legende zufolge, der heilige Franz einen schrecklichen, wilden Wolf gezähmt haben soll allein durch die Anrede „Bruder Wolf“ und ein Segenszeichen. Nach einer Mittagspause, die wieder von Jo Sterr und einigen Helferinnen vorbereitet wurde ging es noch einige Kilometer bis zum Endpunkt der ersten Etappe. Dort holte der Bus die Gruppe wieder ab und brachte sie zum Campingplatz nach Assisi zurück. Hier konnten die Minis Fußballspielen oder in einen Pool hüpfen. Nach einer Gebetsrunde, einem wieder von Jo Sterr und seinen Helferinnen bereiteten sehr guten und reichlichen Abendessen und einem Beisammensein war Nachtruhe angesagt. Dieser Ablauf war so auch in den kommenden 3 Tagen durchgeführt worden.

Am Dienstag, den 3. September hatten die Ministranten die schwierigste Etappe vor sich. Das Ziel war Biscina, eine mittelalterliche Burg. Der Weg führte durch Wälder, an Wiesen vorbei und über Hügel. Großartige Blicke in die umbrische Landschaft entschädigten alle Anstrengungen. Bei einer Einsiedelei war dann die Mittagspause. Auf dem Weg waren dann noch zwei alte Kapellen. Hier konnte die Gruppe zur Ruhe kommen mit Geschichten über und Gebeten vom heiligen Franziskus. Am Mittwoch, den 4. September ging es von Biscina zum kleinen Städtchen Valfabbrica. Während dieses Weges spürte die Gruppe dem Sonnengesang des heiligen Franz nach.

Am Donnerstag, dem 5. September begann die letzte Etappe vor Assisi mit einem Gottesdienst in Valfabbrica. In der dortigen Kirche des heiligen Sebastian segnete Pfarrer Seidl die Franziskuskreuzchen (Tau-Kreuze), die als Pilgerkreuze den Teilnehmern zu Beginn des Gottesdienstes umgehängt wurden. Franziskus hat dieses Tau-Zeichen oft verwendet als Segenszeichen. Er schrieb es auf Häuser, Wände und Bäume und unterschrieb damit seine Briefe. Bis heute tragen Franziskanermönche und Franziskanerinnen das Tau-Kreuz. Nach dem Gottesdienst, der musikalisch mitgestaltet wurde durch Gitarre und zwei Flöten wanderte die Gruppe nach Assisi. Die Ministranten durchschritten dort angekommen stolz das Jakobstor und erreichten nicht weit davon die Grabeskirche des heiligen Franz „San Francesco“. Dort besuchten sie das Grab des heiligen Franz und hielten eine kleine Gebetsstille. Nach einem wohlverdienten Eis gingen sie noch zur Kirche der heiligen Klara, die sich dem Franziskus angeschlossen und den Klarissenorden gegründet hatte. Dort betete die Gruppe noch vor dem Franziskuskreuz, das aus dem Kloster San Damiano stammt. Vor diesem Kreuz hatte auch der heilige Franz oft gebetet und die Worte des Herrn vernommen: „Baue meine Kirche wieder auf!“ Zunächst hatte er das wörtlich genommen und die zwei alten verfallenen Kapellen San Damiano und die Portiuncula wieder aufgebaut. Bald aber verstand er, dass es um eine Erneuerung der ganzen Kirche gehen sollte, um eine geistliche, spirituelle Erneuerung. Leben in der Nachfolge Jesu in der Liebe zum Mitmenschen, zur Schöpfung, zu Gott, spüren, dass alles heilig ist, leben in innerer und äußerer Armut. Der heilige Franz hat radikal, von der Wurzel her, sein Leben geändert und dem Herrn geweiht. Mit den Menschen und allen Geschöpfen in Frieden zu leben ist auch ein großes Vermächtnis, das er uns hinterlassen hat. Nicht umsonst wurde Assisi zur Stadt des Friedens, in der sich alle Religionen zum Friedensgebet versammeln. Sein Beispiel ist zu allen Zeiten unzähligen Menschen zum Segen geworden, weil sie in ihrem Alltag jene Wege wieder entdeckten, die zu Gott führen. Für die Ministranten war es neben dem schönen Gemeinschaftserlebnis gewiss auch eine spirituelle Erfahrung. Im Gehen auf den Spuren eines so großen Heiligen sich selber und sein Dasein vor Gott neu zu entdecken.

Nach einer langen Heimfahrt von fast fünfzehn Stunden per Bus, kam die Gruppe am Freitag, den 6. September gegen Mitternacht in Rimbach an. Der Buslenker und Pfarrgemeinderat Alois Gruber hatte die Fahrt gerne und mit großem Verantwortungsbewusstsein auf sich genommen und durchgeführt. Besonders engagiert waren und mitgeholfen hatten auch die Oberministrantin Franziska Sterr mit ihrer Schwester Johanna, ferner halfen mit: Martina Sterr, Gabi Meindl, Margret Gammer, Marianne Amesberger, Martina Wiesmeier, Hermann Gammer, Josef  Dachs, Konrad Rieger, Michael Pongratz, Thomas Gruber, Petra Söldner. (Bericht von Hr. Pfarrer Seidl, Bilder freundlicherweise von Josef Dachs sen. zur Verfügung gestellt, bearbeitet von Heinz Pletl)


 

zurück