Sonderweg beim Altardienst

Die Minis in der Pfarrei organisieren sich neu
Die Minis in der Pfarrei organisieren sich neu

Erwachsene als Ministranten

Beim Besuch eines Gottesdienstes in der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit in Grafenwiesen kommt es vor, dass den Gläubigen auffällt, dass die „kleinen“ Messdiener fehlen. An ihrer Stelle entdecken sie erwachsene Männer und Frauen vor und hinter dem Volksaltar – in weiße Alben gekleidet – die den Ministrantendienst verrichten. Fragen über Fragen und Rätsel wirft dies bei den Kirchenbesuchern auf. „Was soll das denn bedeuten?“; so kann man es vernehmen. Unser Mitarbeiter, selbst ein erwachsener Mini, kann nach Befragen der Verantwortlichen die eindeutige Auskunft geben:

Die Minis in Grafenwiesen wurden immer weniger, Nachwuchs war nicht in Sicht. Nach mehreren Gesprächen, auch mit den Eltern, stellte sich heraus, dass gerade die schon „älteren“ MinistrantInnen, ab etwa 13 und 14 Jahren, vor allem schulisch sehr gefordert sind und hinsichtlich der Vorbereitung auf den beruflichen Lebensweg keine weiteren Aufgaben zusätzlich übernehmen können. Hinzu kommt noch die aktive Mitarbeit in den verschiedenen Vereinen, die sie nicht vernachlässigen wollen. Diese Tatsache rief in erster Linie bei dem Pfarrgemeinderatssprecher Joachim Bauer, seinem Stellvertreter und Mesner Josef Kolbeck und Ministrantenbetreuerin Martina Wiesmeier eingehende Beratungsgespräche und Diskussionen hervor. Schließlich einigte man sich nach längerem Für und Wider, erwachsene Männer und Frauen ins Boot zu holen. Diesen Vorschlag unterbreiteten sie Monsignore Pfarrer Dr. Johann Tauer, der diesen wohlwollend aufnahm. So traten die Akteure zunächst an diejenigen erwachsenen Männer und Frauen heran, die bereits schon vor Jahren den Ministrantendienst ausgeübt hatten und wollten ihre Meinung dazu hören, wie sie zu diesem Plan stehen. Nachdem sich die Beteiligten auf die notwendigen Schritte geeinigt hatten, beraumte Joachim Bauer im Pfarrheim eine Versammlung an, zu der überraschender Weise rund 15 Leute kamen. Diese wurden über die Problematik informiert und alle 15 erklärten sich spontan bereit, sich in dieses Ehrenamt einzubringen. Prompt folgte ein Test, mit dem die „Neuen“ bewiesen, dass sie bis heute nichts verlernt hatten und die im Laufe der Zeit hinzugekommenen Änderungen und Neuerungen im Altardienst sofort übernehmen konnten. Damit war die Gruppe Minis 2.0 besiegelt. Die Planung sieht vor, dass die „Oldies“ erforderlichenfalls sowohl in Werktagsgottesdiensten sowie an Samstagen und Sonntagen eingesetzt werden können. Vorstellbar ist zum Beispiel auch an Hochfesten eine gemischte Gruppe.

Auf Befragen der „großen Minis“ nach den Beweggründen, sich mit 20, 30, 40, 50 Jahren und mehr Jahren als Ministrant zur Verfügung zu stellen, kam neben der Bereitwilligkeit und Freude der Übernahme eines Ehrenamtes die schnelle Antwort: „Wir machen das aus Spaß an der Freud“! Joachim Bauer und Josef Kolbeck sind erleichtert darüber, dass das Problem auf diese Art und Weise gelöst werden konnte. Pfarrer Tauer sieht das ebenso als einzige Lösungsmöglichkeit und dass so die „kleinen“ Minis entlastet werden. Trotzdem bemühen sich die Verantwortlichen, wieder aus den Reihen der Schüler Nachwuchs zu bekommen; die Situation ist nicht aussichtslos.

Zwischenzeitlich erfolgte in der Betreuung ein Wechsel. Martina Wiesmeier übergab das Amt an Jeanette Nagler. Nagler gründete vor kurzem eine WhatsApp-Gruppe, mit der sie die Einsatzzeiten der erwachsenen Ministranten koordiniert. Die Erwachsenen sind gehalten, den vorgeschlagenen Terminen zuzustimmen oder abzulehnen beziehungswiese zu tauschen. Diese Form der Organisation funktioniert neben den Jüngeren auch für die Älteren momentan sehr gut.

Die Pfarrgemeinderatsmitglieder bemühen sich weiter, vor allem Kinder für den Ministrantendienst zu gewinnen. Zunächst sollen aber die Erwachsenen die vorhandenen Lücken schließen. (hwp)

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