Schon 97 Jahre kath. Mütterverein in Grafenwiesen

1984 feierte der Mütterverein 60-jähriges Bestehen
1984 feierte der Mütterverein 60-jähriges Bestehen

Hedy Häring und Zenta Pletl blättern in der Vereinsgeschichte

Streng genommen könnte der Katholische Mütterverein Grafenwiesen in diesem Jahr seinen 97. Geburtstag feiern. Wie im letzten Pfarrbrief veröffentlicht, kann der Katholische Deutsche Frauenbund Zweigverein Grafenwiesen am 9. März sein 40-jähriges Bestehen begehen. In Grafenwiesen bilden Mütterverein und Frauenbund seit diesem Datum eine Einheit. Eine größere Festivität wird es aber im März nicht geben können, da die Corona-Pandemie – wie überall – dies verhindert. Es bleibt also nur zu hoffen, dass ein Termin im Herbst möglich ist.

Hedy Häring und Zenta Pletl sehen sich veranlasst, den Mitgliedern des KDFB und der Öffentlichkeit einen kurzen Abriss über den ursprünglichen Mütterverein zu geben. Beide Frauen gehörten mehrere Jahre dem Verein an und wollen das Wesentliche in Erinnerung rufen.

Laut Recherchen und Aufzeichnungen (in Kopie) wurde der Katholische Mütterverein im Jahre 1924 in Grafenwiesen ins Leben gerufen. Vorsteherin (=Gründungsvorsitzende) war die „Schmittbräuin“ vom Sägewerk Zittenhof. Es folgten später als Vorsteherinnen Maria Greisinger (Donise) und Maria Mühlbauer (Gore). Etwa 150 Interessierte schlossen sich der Vereinigung an. Diese Zahl bewegte sich in all den Jahren um etwa zehn nach oben und unten und blieb dem Verein treu. Die Mitarbeit war von Anfang an beispielhaft. So nannte zu Beginn die Vorstandschaft als einen der wichtigen Punkte das Lesen eines Heiligen Amtes für ein verstorbenes Mitglied. Hierfür wurde beim ersten Opfergang in der Pfarrkirche ein Betrag von 30 Mark gesammelt. Für weitere Ausgaben dienten der Mitgliedsbeitrag und diverse Spenden. Gleichzeitig bestellten die Vorsteherinnen die Zeitschrift „Johanniter“ für ihre Mitglieder auf ein Jahr. Die Frauen feierten regelmäßig die Heilige Messe und brachten sich überwiegend in kirchliche Dienste ein. Schon bald schafften sie eine Vereinsfahne für 165 Mark an, die im Übrigen noch heute beim Frauenbund im Einsatz ist. Nach einer gründlichen Restaurierung durch Klosterschwestern in Strahlfeld befindet sie sich in einem Top-Zustand.

Die Mitglieder des Müttervereins sahen sich in der Pflicht, ihre Einnahmen wiederum für gemeinnützige Zwecke zu spenden. So erhielt die Pfarrkirche nach und nach einen Trauerflor für die Fahne, eine Spende für den Traghimmel, das Trauerband, für den Blumenschmuck in der Kirche, insbesondere für das Heilige Grab, für die Vergoldung der Marienfigur am Seitenaltar, für das Rauchfass, für die Altarglocken und schließlich für ein neues Messgewand für den Pfarrherrn. Und die vielen kleinen Gaben können hier nicht alle aufgezählt werden.

Aber auch die Geselligkeit ließen die Frauen nicht zu kurz kommen. Sie saßen bei passender Gelegenheit zusammen, brachten Vorschläge ein und unternahmen Ausflüge. Wie den Aufzeichnungen zu entnehmen ist, standen Ziele in der näheren Umgebung wie das Kolmsteiner Kircherl oder auch Buswallfahrten nach Altötting und ähnliche auf dem Plan.

1952 stand eine Neuwahl an. Die Vorstandschaft fand Unterstützung durch eine erste Assistentin und Fahnenträgerin Anna Wühr und die zweite Assistentin Theres Bablick.

Ab dem Jahre 1980 wurde der Katholische Deutsche Frauenbund aus der Taufe gehoben. Im ganzen Dekanat folgte eine Gründung um die andere. Da die Führungskräfte des Müttervereins in das Rentenalter kamen, bemühte sich Maria Mühlbauer, auch in Grafenwiesen einen Frauenbund auf die Beine zu stellen. Kurzerhand bekniete sie Zenta Pletl – in weiser Voraussicht mit dem Ortspfarrer Karl Schmid – einen KDFB-Verein zu gründen. Der Pfarrer als auch Frau Pletl waren davon anfangs nicht begeistert, ließen sich nach massivem Druck von Maria Mühlbauer überzeugen. Und so hatte Grafenwiesen nach einer Wahl ab dem Jahre 1981 einen Frauenbund.

Die Gründung gestaltete sich jedoch schwierig, da die Gründungsvorsitzende des KDFB nur einen Verein mit den gleichen Zielen im Dorf anstrebte. Die meisten Mitglieder des Müttervereins wollten als selbständiger Verein weitermachen. Schließlich gelang es aber doch, beide Vereine unter ein Dach zu bringen. Zieht man die enormen Leistungen des Müttervereins in Betracht, kann man verstehen, wenn einige gegen den Zusammenschluss waren.

Und wie ein altes Sprichwort heißt: Einigkeit macht stark; der Mütterverein übergab im März 1981 1.369,34 Deutsche Mark und die Vereinsfahne an den KDFB-Zweigverein. Seitdem agiert der Verein unter dem Namen „Frauenbund und Mütterverein Grafenwiesen“. (hwp)

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