A bisserl Zeit nehma

Der sch├Ân illuminierte Volksaltar in der Pfarrkirche
Der sch├Ân illuminierte Volksaltar in der Pfarrkirche

Eine ergreifende Nacht der tausend Lichter fand am Sonntagabend in der Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit statt. Trotz vieler mit Corona infizierter Menschen im Ort kam eine überraschend große Zahl Interessierter, darunter auch Pater Georg, um die Feier zu erleben. Die mit Kerzenschein beleuchtete Kirche strahlte eine behagliche Wärme aus. Die Mitglieder des Pfarrgemeinde- und Kirchenrates scheuten keine Mühe, die Kirche für den Abend entsprechend herzurichten. Das Allerheiligste mit der Monstranz war von 18 bis 20 Uhr ausgesetzt. Auch eine stille Anbetung war möglich.

Monsignore Pfarrer Dr. Johann Tauer sprach die einleitenden Worte und zitierte unter anderem aus der Bibel: Gott sprach, es wurde Licht und er sah, dass das Licht gut war. Weiter: Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde steht über der Zeit und ist nicht wie die Menschen an eine Zeit gebunden. Gottes Stunden, Tage und Jahre sind endlos.

Martina Wiesmeier erklärte den Begriff Zeit, den raschen Wechsel zwischen Nacht und Tag. Die Zeit kommt aus der Ewigkeit und kehrt zu ihr zurück. Nach ihr richtet sich jede Uhr und begleitet sie ein Stück.

Jeanette Nagler las aus einer Kurzgeschichte, die beinhaltete: Ich will auf meinen Wandel achten, um mich mit der Zunge nicht zu verfehlen. In vier Absätzen ließ sie unter anderem hören: Nur als Schattenbild wandelt der Mensch einher, für nichts häuft er Schätze auf und weiß nicht, wer sie bekommt. Und nun, was kann ich erhoffen, Herr? Ich bin nur ein Gast bei Dir. Die einzelnen Absätze wurden musikalisch mit dem Lied Misericordia domini untermalt.

Annemarie Dachs erzählte das Märchen von der geschenkten Zeit. Dabei ging es um eine Königsfamilie mit drei Töchtern. Die Erste war klug, die Zweite fleißig und die Dritte freundlich und konnte immer lachen. Eines Tages schickte die Königin ihre Töchter in die Welt hinaus. Jede bekam eine gefüllte Tasche mit Zeit mit. Die Erste, die Kluge, überlegte, wie sie ihre Zeit gewinnbringend anlegen könnte. Die Blumen am Wegrand bettelten sie an um ein bisschen ihrer Zeit. Die Kluge meinte, Zeit ist Geld und das wirft man nicht auf die Straße und eilte davon. Die Zweite, die Fleißige hatte bald eine Beschäftigung entdeckt und wollte die Zeit ausnutzen. Ein Kind fragte sie, ob sie mit ihm Ball spiele. Die Antwort: Ich habe keine Zeit. Die Zuhörer in der Kirche warteten nun gespannt auf die dritte Königstochter, was die wohl zu sagen hatte. Sie kam an einen Ententeich, an dem einige alte Leute saßen und sich anschwiegen. Sie fragten, ob sie Zeit hätte und sich zu ihnen setzen möge. „Aber sicher“, sagte sie lächelnd. Ich habe viel Zeit geschenkt bekommen, davon kann ich euch etwas abgeben. Nach einem Jahr wollte die Königsmutter wissen, wie es ihren Töchtern ergangen ist. Die Älteste konnte nicht kommen, sie hatte keine Zeit, der Weg war zu weit. Die Zweite kam, war aber in allerhöchster Eile und erzählte von ihrer vielen Arbeit. Die Dritte, die Freundliche, kam etwas zu spät, denn sie hatte noch Blumen gepflückt, die sie der Mutter mitbringen wollte. Auf die Frage der Königin, ob sie so viel Zeit übrig hätte, sagte die Tochter „Aber sicher“, Du hast mir nicht verraten, dass sich die Tasche immer wieder füllte, je mehr ich Zeit verschenkt habe. „Du bist die Einzige, sagte die Mutter lächelnd, die das Geheimnis der geschenkten Zeit erfahren hat“.

Im zweiten Teil der Veranstaltung erfuhren die Zuhörer von Magdalena Kolbeck noch manches Geschichtchen, die die Zuhörer faszinierten. Zum Abschluss betete Pfarrer Tauer: Bleibe bei uns Herr, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Bleibe bei uns und der ganzen Kirche. Er spendete allen Anwesenden den eucharistischen Segen.

Es wirkten mit: Organisator Monsignore Dr. Johann Tauer und Pfarrgemeinderatssprecher Joachim Bauer (auch Orgelspiel und Gesang), die Pfarrgemeinderatsmitglieder Annemarie Dachs, Magdalena Kolbeck, Jeanette Nagler, Martina Wiesmeier, Kirchenpfleger Helmut Nagler und die Sängerinnen Magdalena Kolbeck und Resi Stöger. (hwp)

zur├╝ck