Festgottesdienst zur 100-jährigen Grundsteinlegung

Die Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Grafenwiesen
Die Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Grafenwiesen

Feierliche Messe zum Jubiläum und zum Erntedank

Am vergangenen Sonntag trafen gleich drei wichtige Termine in der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit in Grafenwiesen aufeinander. Zum einen erinnerten die maßgeblich Verantwortlichen der Pfarrei an die Grundsteinlegung zum Neubau der Kirche vor hundert Jahren, zum anderen wurde das Erntedankfest gefeiert und im Anschluss an den Gottesdienst führte Roland Häring durch die Kirche und gab dazu interessante Erläuterungen.

Monsignore Pfarrer Dr. Johann Tauer freute sich, diesen Festgottesdienst feiern zu dürfen. Im Erntedank, sichtbar für unser Auge, bitten und danken wir Gott für die reiche Ernte. Wir danken in Grafenwiesen aber auch für unsere Pfarrkirche. Wir blicken auf einhundert Jahre der Grundsteinlegung für den Bau der Kirche zurück, die am 30. September 1920 stattgefunden hat, so der Geistliche. Zu der unter Beachtung der Corona-Regeln gefeierten Messe begrüßte Tauer insbesondere Bürgermeister Sepp Häring, Altbürgermeister Josef Dachs sen., Vertreter des Kirchenrates und Pfarrgemeinderates. Er betonte bei dieser Gelegenheit, dass im Jahre 1891 die Kirchenstiftung Grafenwiesen eingerichtet wurde, die die Mittel zusammenführte, um die Planungen vorantreiben zu können. Sein besonderer Gruß galt dem Männerchor, der die Bayerische Messe zur Aufführung brachte und mit seinen einfühlsamen Liedvorträgen bei den Kirchenbesuchern die Herzen für einen bleibenden Eindruck öffnete.

Pfarrer Tauer erläuterte in seiner Predigt, dass Grafenwiesen das Erntedankfest auf besondere Weise feiern darf: Der Dank gilt zwar für Obst und Gemüse, er ist aber auch mit dem Bau dieses Kirchengebäudes verbunden. Am 30. September 1920 wurde durch Stadtpfarrer Josef Heigl aus Furth im Wald der Grundstein gelegt. Wie auch bei der Ernte, so war es auch beim Kirchenbau. Man muss die Äcker pflegen, die Obstbäume hegen, dass man eine gute Ernte einfahren kann. Grafenwiesen war seit 1803 ohne einen eigenen Seelsorger. Ein Kirchgang von Grafenwiesen nach Kötzting wurde erforderlich. Grafenwiesen ließ aber in seinen Bemühungen nicht nach, einen eigenen Seelsorger zu bekommen. Endlich, nach vielem Hin und Her, wurde im Dezember 1918 vom Bistum ein eigener Seelsorger nach Grafenwiesen entsandt, Kooperator Heinrich Gruber, Erbauer des Gotteshauses. Die Kirche stand damals etwas erhöht über dem Baugrund, heute ist die Kirche vom Dorf umgeben. Monsignore Tauer ging weiter auf die Geschichte bis zur Fertigstellung des Gotteshauses im Jahre 1923 ein, verwies jedoch auf ergänzende Ausführungen auf die nachfolgende Kirchenführung durch Roland Häring, den Heimatforscher und Sprecher des Arbeitskreises Dorfgeschichte. Außerdem können noch interessante Punkte in der Homepage der Pfarrei Grafenwiesen nachgelesen werden.

Vollständigkeitshalber sei erwähnt, dass ab 2005/2006 keine neuen Pfarreien gegründet, sondern zu Pfarreiengemeinschaften zusammengelegt wurden, dies geschah auch schon im Jahre 2006 mit dem Abschied von BGR Pfarrer Karl Schmid.

Die Lesung und die Fürbitten trug Gabi Amman vor. Abschließend dankte Pfarrer Tauer allen Helfern, der Familie Bauer für das Herrichten des Erntealtares, für die Erntegaben, Joachim Bauer für die Organisation und weiteren. Er zählte auf, welche Arbeiten in Planung sind, damit im Jahre 2023 der Einzug in die renovierte Kirche (nach einhundert Jahren) feierlich begangen werden kann.

Nach dem Festgottesdienst begann Roland Häring mit der Kirchenführung. In einer lockeren Art, zum Teil humorvoll und für alle verständlich, erzählte er die Kirchengeschichte, entnommen aus der Pfarrchronik und vielen eigenen Recherchen. So geht daraus hervor, dass in den vergangenen Jahrhunderten Grafenwiesen von Kötzting aus betreut wurde. Im Jahre 1702 hat das Benediktinerkloster Rott am Inn unter Abt Aemilian Oettlinger die Hofmark Grafenwiesen erworben. Ab dieser Zeit hatte man in Grafenwiesen einen eigenen Geistlichen, einen Benediktinerpater. Ihm war sowohl die Gutsverwaltung als auch die Seelsorge in Grafenwiesen anvertraut. Bis zur Säkularisation im Jahre 1803 ging das einhundert Jahre lang gut. Mit der Auflösung der Klöster in Bayern fehlte nun auch in Grafenwiesen wieder ein ständiger Seelsorger.  Und wie schon die Jahrhunderte vorher hat man nun Grafenwiesen von Kötzting aus betreut. Die Schlosskirche, in Privatbesitz befindlich, erwies sich zur Abhaltung von mehreren Sonntagsgottesdiensten als nicht ausreichend. Voraussetzung für eine eigene Seelsorgestelle in Grafenwiesen war jedoch neben der finanziellen Absicherung eines Geistlichen ein Wohnhaus für den Seelsorger sowie ein geeignetes Gotteshaus, das die Zahl der Kirchenbesucher auch aufnehmen konnte. So fasste man den Entschluss, mit dem Neubau einer Kirche Abhilfe zu schaffen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten begann man am 8. Juni 1920 mit dem Bau des Pfarrhauses und bald darauf mit dem Bau der Kirche. Kooperator Heinrich Gruber, der bereits ab 1918 ständiger Seelsorger in Grafenwiesen war, setzte sich unermüdlich für den Neubau ein. Der 30. September 1920 war für Grafenwiesen ein großer Tag. Es konnte die Feier der Kirchengrundsteinlegung bei warmer sonniger Witterung durch Stadtpfarrer Josef Heigl aus Furth im Wald festlich begangen werden. Das ganze Dorf mit wenigen Ausnahmen beteiligte sich an diesem seltenen Fest. Die Gassen waren mit Triumphbögen und Girlanden, die Häuser mit Kränzen und Tannengrün geziert. Aus der ganzen Umgebung waren Festteilnehmer erschienen, unter ihnen Expositus Spaeth von Warzenried, der 1903 als Kooperator die Filiale von Grafenwiesen zu pastorieren hatte. Vor dem Schulhaus wurde Dechant Heigl durch den Pfarrer von Kötzting und den Bürgermeister von Grafenwiesen begrüßt. Ein Schulmädchen trug ein Begrüßungsgedicht vor. Nach der Winterpause begann 1921 frühzeitig die Fortsetzung des Kirchenbaus und des Expositurhauses. Der Dachstuhl wurde ohne jeden Unfall im Juli gehoben. Im November konnte Expositus Heinrich Gruber sein Haus beziehen. Im Jahr 1922 war es soweit, dass innen mit den Stuckatur-Arbeiten begonnen werden konnte, daraufhin folgte der Innenputz. 1923 wurde die Sakristei angebaut, Verputzarbeiten, Turmfertigstellung und die restlichen Bauarbeiten erledigt. (hwp)

Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit
Pfarrer Tauer vor dem Erntealtar
Pfarrer Tauer zelebriert die Messe
Roland Häring bei seiner Führung
Joachim Bauer übergibt ein Präsent
Ein Teil des Erntealtares
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