Die Geschichte der Pfarrei Grafenwiesen

Grafenwiesen war bis nach dem 2. Weltkrieg eine Expositur von Kötzting, jetzt Bad Kötzting. Am 1. Mai 1948 wurde es zur Pfarrkuratie durch den damaligen Diözesanbischof Michael Buchberger ernannt, der auch die Kirche konsekrierte. Im Dezember 2001 wurde man offiziell zur Pfarrei erhoben.

Grafenwiesen war über Jahrhunderte eine Filiale der Mutterpfarrei Kötzting. Eine erste Kapelle soll bereits um das Jahr 1200 exisitiert haben. Beim Abbruch der ehemaligen Schloßkapelle in den Jahren 1925/26 haben dies archäologische Untersuchungen ergeben. Eine kirchliche Handlung wird erstmals am 29. November 1517 erwähnt: Damals soll der Regensburger Weihbischof Petrus Krafft den Altar in Grafenwiesen konsekriert haben. Die Kapelle stand unter dem Patronat des heiligen Andreas und des heiligen Sebastian. Nachdem Matthias Rosenhammer im Jahr 1610 die Hofmark Grafenwiesen erworben hatte, baute er nicht nur das Schloß neu, sondern gestaltete auch 1612 die Schlosskapelle um. Da zur gleichen Zeit auch die Klosterkirche in Neukirchen b. Hl. Blut umgebaut wurde, kam eine Dreifaltigkeitsgruppe nach Grafenwiesen. Diese wurde in der Schlosskapelle als Hochaltar aufgestellt. Heute ist davon leider nur noch eine Figur vorhanden. Sie schmückt den rechten Seitenaltar der heutigen Pfarrkirche. Seitdem besitzt Grafenwiesen das Dreifaltigkeits-Patrozinium. Mitte des 18.Jahrhunderts bekam die Schlosskapelle einen neuen Hochaltar aus der Werkstatt des Kötztinger Bildhauers Johann Paul Hager. Dieser wurde später in die heutige Pfarrkirche übernommen. Die jetzige Pfarrkirche wurde von 1920 bis 1923 erbaut.

Am 18. Dezember 1891 wurde eine Kirchengemeinde Grafenwiesen als eigener Seelsorgebezirk gebildet und genehmigt. Am 26. März 1892 wurde die Kirchenstiftung Grafenwiesen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Grundstock für die Bestrebungen, ein Gotteshaus in Grafenwiesen zu bauen, war das Vermächtnis des gebürtigen Grafenwiesener Braumeisters Johann Brandl, der im damals zum russischen Zarenreich gehörigen Livland zu Ansehen und Reichtum gekommen war. In seinem Testament bedachte er auch seine Heimatgemeinde und verfügte unter anderem folgendes:

In meinem Heimathorte Grafenwiesen werden die Kranken und Armen auch im härtesten Winter von Haus zu Haus geschleppt und setze ich daher fest, dass ein Capital von 1000 Rbl Silber der Grafenwiesen’schen Gemeinde überwiesen wird, von welchem Capitale jährlich die Zinsen zum Besten des allerschwersten Kranken unter den Armen verbraucht werden sollen, damit er nicht zur Winterzeit von Haus zu Haus geführt werden braucht.

»Falls die Zahl der sub. No. 4, 5 und 6 von mir angegebenen Geschwisterkinder sich höher belaufen sollte, als ich geglaubt hatte, ... verbleibt ein Überschuß bei dem Nachlasse und zwar vermache ich den ganzen Rest meines Vermögens nach Abzug der oben genannten Quoten und der unten in den §§ 4, 5 und 6 angeführten in natura vermachten Inventarstücke und Mobilien, sowie der Beerdigungskosten, der Kirche zu Grafenwiesen in Bayern, Bezirksamt Ketzding, welche bisher keinen eigenen Pastor honorieren kann, mit dem speciellen Zusatz, daß das Geld zur Honorierung eines eigenen speciellen Pastors für die Kirchengemeinde meines gedachten Heimatortes verwandt werden. Und zwar soll das Capital stets unangetastet verbleiben und nur die Zinsen sollen zu dem genannten Zweck verwandt werden und im Falle dieselben fürs Erste nicht ausreichen sollten, sind die Zinsen solange zum Capital zu schlagen, bis dieses soweit gewachsen ist, daß dem Zweck gemäß ein Prediger von den Renten honoriert werden kann.«

Am 18. Dezember 1918 erhielt Grafenwiesen in dem bisherigen ersten Kooperator von Kötzting den ersten Seelsorger vor Ort. Am 9. Februar 1939 wurde durch das Bischöfliche Ordinariat die Erhebung der Seelsorgestelle Grafenwiesen zu einer selbständigen Expositur genehmigt. Mit Wirkung vom 1. Mai 1948 wurde Grafenwiesen zur Pfarrkuratie erhoben. Es darf als eine besondere Anerkennung angesehen werden, dass der ehemalige Diözesanbischof Manfred Müller die Pfarrkuratie Grafenwiesen mit Wirkung vom 8. Dezember 2001, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, zur kanonischen Pfarrei erhoben hat.

Seit dem Ruhestand von Pfarrer Karl Schmid ist seit September 2006 der Pfarrer von Rimbach für Grafenwiesen zuständig. Die Seelsorge Grafenwiesens ist besonders auch einem indischen Geistlichen übertragen, der zum 1. September 2006 ins Pfarrhaus Grafenwiesen eingezogen ist. Sein Name ist Pater Paul Gnalian. Er ist als Pfarrvikar dem Pfarrer von Rimbach Karl-Heinz Seidl zugewiesen. Nach dem Weggang von Pater Paul im Jahre 2012 übernahm zum 1. September 2012 Pfarrer Peter Chettaniyil die Seelsorge in Grafenwiesen.