Die Geschichte zum 100. Jahrestag der Grundsteinlegung der Pfarrkirche

Die Pfarrkirche im Jahr 1923 (AK Dorfgeschichte)
Die Pfarrkirche im Jahr 1923 (AK Dorfgeschichte)

Text von Heinz W. Pletl vom 2. April 2020

Im September 2020 ist es soweit: Die Pfarrkirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Grafenwiesen besteht seit nunmehr fast 100 Jahren. Wie sich die Entwicklung/Geschichte des Gotteshauses im Laufe dieser Zeit darstellt, erfahren die interessierten Leser im Folgenden. Ausführliche Daten wurden den Heimatbüchern von Grafenwiesen und der Pfarrchronik entnommen. Umfassende Unterstützung gewährte dazu Roland Häring, Kirchenmusiker, Heimatforscher und Sprecher des Arbeitskreises Dorfgeschichte Grafenwiesen.

Zusammenfassend kann berichtet werden: Im Jahre 1702 erwarb das Benediktinerkloster Rott am Inn die Hofmark Grafenwiesen. Von diesem Jahr an bis 1803 war das Klostergut Grafenwiesen eine Außenstelle des Priorates Kötzting, dem als Administrator ein Benediktinerpater zugeteilt war. Ab der Säkularisation 1803 fehlte jedoch ein ständiger Seelsorger. Die Schlosskirche, in Privatbesitz befindlich, erwies sich zur Abhaltung von mehreren Sonntagsgottesdiensten (es war auch keine Sakristei vorhanden) als nicht ausreichend. Voraussetzung für die Bildung einer eigenen Seelsorgestelle in Grafenwiesen war jedoch neben der finanziellen Absicherung eines Geistlichen ein Wohnhaus für den Seelsorger sowie ein geeignetes Gotteshaus, das die Zahl der Kirchenbesucher auch aufnehmen konnte. So fasste man den Entschluss, mit dem Neubau einer Kirche Abhilfe zu schaffen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und dem Beschluss der Kirchenverwaltung am 8. Juni 1920 begann man mit dem Bau des Pfarrhauses, bald darauf mit dem Bau der Kirche. Kooperator Heinrich Gruber, der bereits ab 1918 ständiger Seelsorger in Grafenwiesen war, setzte sich unermüdlich für den Neubau ein. In der Pfarrchronik hat er die Umstände und den Bau der Kirche genauestens beschrieben.

Der 30. September 1920 war für Grafenwiesen ein großer Tag. Es konnte die Feier der Kirchengrundsteinlegung bei warmer sonniger Witterung durch Stadtpfarrer Josef Heigl aus Furth im Wald festlich begangen werden. Das ganze Dorf mit wenigen Ausnahmen beteiligte sich an diesem seltenen Fest. Die Gassen waren mit Triumpfbögen und Girlanden, die Häuser mit Kränzen und Tannengrün geziert. Aus der ganzen Umgebung waren Festteilnehmer erschienen. In Grafenwiesen waren unterdessen sieben auswärtige Geistliche zur Feier erschienen, unter ihnen Herr Expositus Spaeth von Warzenried, der 1903 als Kooperator von Kötzting die Filiale von Grafenwiesen zu pastorieren hatte. Vor dem Schulhaus wurde H. Herr Dechant Heigl (damals gehörte Kötzting noch zum Dekanat Cham) durch H. Herrn Pfarrer von Kötzting in einer kleineren Ansprache begrüßt; desgleichen im Namen der Schulgemeinde durch Bürgermeister und drei weißgekleideten Schulmädchen, von denen das eine ein Begrüßungsgedicht vortrug.

Nach der Winterpause begann 1921 frühzeitig die Fortsetzung des Kirchenbaus und des Expositurhauses. Der Dachstuhl wurde ohne jeden Unfall im Juli gehoben. Im November konnte Expositus Heinrich Gruber das Expositurhaus beziehen. Im Jahr 1922 war es soweit, dass innen mit den Stuckatur-Arbeiten begonnen werden konnte, daraufhin folgte der Innenputz. 1923 wurde die Sakristei angebaut, Verputzarbeiten, Turmfertigstellung und die restlichen Bauarbeiten erledigt. Die drei Kirchenglocken spendete die Familie Hubloher. Aus der ehemaligen Schlosskapelle konnten sehr wertvolle Gegenstände in das neue Gotteshaus überführt werden. So sind beispielsweise die Gläubigen heute noch stolz auf den Hauptaltar von dem Bildhauer Johann Paul Hager aus Kötzting, der im großen Altarbild die Heiligste Dreifaltigkeit (dieses Bild ist eine Besonderheit) darstellt. Weitere Einrichtungen und Gegenstände aus der Schlosskapelle konnten durch den enormen Einsatz der Bürger aus Grafenwiesen übertragen werden, wie zum Beispiel auf dem rechten Seitenaltar die Figur von Gott Vater als Linkshänder. Sie stammt aus einer ehemaligen Dreifaltigkeitsgruppe, von der die Grafenwiesener Kirche ihren Namen hat. Außerdem wurden andere wichtige Teile wie die Kanzel, der Kreuzweg, das Kommuniongitter, das Rosenhaimer-Kreuz, das kunstvolle Kreuz mit der schmerzhaften Mutter Gottes, die ausdrucksvolle Pieta (jetzt in der Marienkapelle), die beiden Stangenfiguren, einige Paramente und Kirchenwäsche sowie kirchliche Geräte vom alten Kirchlein heraufgeschafft. Im Jahr 1924 erhielt die Pfarrkirche ihre erste Pfeifenorgel. Im Juli 1928 berichtet Expositus Heinrich Gruber über die Vollendung des Baus des Kirchenhauses, die mit dem Einbau der zwei Seitenaltäre, gestiftet wiederum von der Familie Hubloher, einherging.

Am 13. Mai 1934 (Sonntag nach Christi Himmelfahrt) wurde die Kirche von seiner Exzellenz, Herrn Bischof Michael Buchberger von Regensburg, feierlich konsekriert. Dieser äußerte bei der Konsekration der Kirche angesichts der vielen Kinder, die zum Empfang des Bischofs Spalier standen: „Hat Grafenwiesen so viele Kinder? Da könnte man doch eine Pfarrei daraus machen!“ So wurde am 9. Februar 1939 die Erhebung der Seelsorgestelle zur Expositur Grafenwiesen – Pfarrei Kötzting genehmigt. Nachdem die Seelenzahl im Seelsorgebezirk stetig bis auf über 1015 Seelen gewachsen war, hat der damalige Expositus von Grafenwiesen, Josef Knott, um Erhebung seiner Seelsorgestelle zur Pfarrkuratie gebeten. Mit Wirkung vom 1. Mai 1948 wurde die Expositur Grafenwiesen zur Pfarrkuratie erhoben. Eine Pfarrkuratie ist im kanonischen Recht der römisch-katholischen Kirche eine Quasipfarrei, die „wegen besonderer Umstände noch nicht als Pfarrei“ eingerichtet ist. Die Erhebung zur selbstständigen Pfarrei war am 8. Dezember 2001, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, durch den damaligen Regensburger Diözesanbischof Manfred Müller.

Im August 2006 trat Pfarrer Karl Schmid in den Ruhestand. In seiner fast 40-jährigen Amtszeit in Grafenwiesen führte BGR Pfarrer Karl Schmid unter seiner Regie wesentliche Maßnahmen in der Pfarrkirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit durch. Dazu gehörte unter anderem die Anschaffung einer neuen Eisenbarth-Orgel und einer Kirchenbestuhlung, der Bau des Pfarrheimes und die Erweiterung des Pfarrhauses sowie die Renovierung und Sanierung der Kirche vor rund 20 Jahren. Dankbar äußerte sich Pfarrer Schmid über die große Spendenbereitschaft von Vereinen und christlichen Vereinigungen, durch die einige fehlende, kleinere Dinge angeschafft werden konnten. Seit dem 1. September 2006 ist die Pfarrei Grafenwiesen Teil der Seelsorgeeinheit Grafenwiesen-Rimbach-Zenching.

Am 1. September 2006 ist ein indischer Geistlicher ins Pfarrhaus Grafenwiesen eingezogen. Sein Name ist Pater Paul Gnalian. Er ist als Pfarrvikar dem Pfarrer von Rimbach Karl-Heinz Seidl zugewiesen. Nach dem Weggang von Pater Paul im Jahre 2012 übernahm zum 1. September 2012 Pfarrvikar Peter Chettaniyil seine Stelle in Grafenwiesen. Ende September/Anfang Oktober 2018 verließ Pfarrer Karl-Heinz Seidl überraschend die Pfarreiengemeinschaft Rimbach-Grafenwiesen-Zenching und trat in Furth im Wald die Stelle des Stadtpfarrers an. Sein Nachfolger in der Gemeinschaft wurde Monsignore Dr. Johann Tauer, ein gebürtiger Furtherer. Am 22. September 2019 feierte Pfarrvikar Dr. Peter Chettaniyil sein Silbernes Priesterjubiläum im Rahmen eines beeindruckenden Gottesdienstes im syro-malabarischen Ritus.