Syro-malabarischer Gottesdienst zum Jubiläum

Pater Thomas bei seinem Vortrag
Pater Thomas bei seinem Vortrag

Vortrag von Pater Thomas

Pfarrer Dr. Peter Chettaniyil feiert am 22. September sein Silbernes Priesterjubiläum in Grafenwiesen. Den Höhepunkt wird der Festgottesdienst um 16 Uhr in der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit erreichen, der im syro-malabarischen Ritus geplant ist. Am Montagabend referierte auf Einladung von Pfarrer Peter zur Einführung Kurs-Kollege Pater Thomas Saju von der Pfarrei Sulzbach-Rosenberg zum Thema „Der syro-malabarische Gottesdienst“. Pater Thomas freute sich, gemeinsam mit den Gläubigen in der Kirche Grafenwiesen Eucharistie feiern zu dürfen, es sei ein Geschenk Gottes. Unter den Zuhörern waren auch Monsignore Pfarrer Dr. Johann Tauer, Stadtpfarrer Karl-Heinz Seidl aus Furth im Wald und Diakon Thomas Bauer aus Zenching.

Zunächst erörterte der Referent ausführlich die Geschichte, wonach die Wurzeln der syro-malabarischen Kirche auf den Apostel Thomas (ungläubiger Thomas) zurückgehen, der im Jahre 53 nach Indien kam, entlang der Küste reiste und schließlich Malabar erreichte, den heutigen Bundesstaat Kerala. Er gründete dort christliche Kirchen, die ihn als Gründer betrachten und sich als Thomaschristen bezeichnen. In Indien gilt der Apostel Thomas als Vater des Glaubens, der Segen für Indien gesät hat. Aber er hatte auch viele Feinde, verursacht durch Spannungen zwischen den Hindus und dem Christentum. Er starb den Märtyrertod; man erbaute ihm eine Kirche, die 2004 vom Vatikan anerkannt wurde. Der Name „syro-malabarische Kirche“ entstand später und wurde Ende des 19. Jahrhunderts amtlich vom Heiligen Stuhl verwendet.

Wie Pater Thomas weiter ausführte, ist der Begriff „syro-malabarisch“ eine Kombination aus den beiden Wörtern. Der indische Bundesstaat Kerala ist auch heute bekannt als Malabar. Die liturgische Sprache war das Syrische und wird in Malabar gefeiert; darin hat die Bezeichnung „syro-malabarisch“ seinen Ursprung. Die syro-malabarische Kirche ist eine „Kirche eigenen Rechts“. Sie hat im Bundesstaat Kerala 5 Erzdiözesen und 10 Diözesen.

Anhand der Landkarte verwies der Referent auf die Größe Indiens; deswegen trägt das Land den Namen „Subkontinent“, der über 1,3 Milliarden Einwohner zählt (davon 2,3 % Christen). In Kerala mit 33,4 Millionen Einwohnern (beschäftigungsmäßig) leben 55 % Hindus, 27 % Muslime und ca. 20 % Christen.

Als bemerkenswert ist laut Pater Thomas die Tatsache, dass Mitte des 16. Jahrhunderts ein jesuitischer Missionar auf den Spuren nach neuen Handelswegen suchenden Portugiesen, nach Indien kam, er überraschender Weise dort eine christliche Gemeinde vorfand. Obwohl beide Seiten erfreut waren, Christen in Indien vorzufinden, begann die Zeit der Fremdbestimmung und der gewaltsamen Latinisierung, worauf sich die indische Kirche in mehrere Gruppen aufspaltete. Ein großer Teil der Thomaschristen kehrte zur römischen Kirche zurück und wurde zur heutigen syro-malabarischen Kirche. Sie hat weltweit etwa 3,8 Millionen Mitglieder in ca. 2800 Gemeinden, 26 Diözesen und vier Erzdiözesen. Ihr gehören 6.600 Priester, davon 3.600 Ordenspriester an. Es gibt 39 Institute geweihten Lebens und Gesellschaften apostolischen Lebens syro-malabarichen Ursprungs für Männer und neun für Frauen, mit über 34.000 Mitgliedern, außerdem 2.200 Seminaristen in 45 Seminaren.

Der syro-malabarische Ritus: Die syro-malabarische Kirche hat einen besonders reichen Ritus mit Gesten und Bräuchen bewahrt, zu der auch folkloristische Tänze gehören. Die syro-malabarische Kirche ist nicht nur die zweitgrößte der 21 mit Rom unierten ost-katholischen Kirchen, sie ist auch eine der aktivsten und vitalsten katholischen Kirchen weltweit. Ein besonderes Kennzeichen dieser Kirche sind die zahlreichen Priester- und Ordensberufungen, über 6.000 Diözesanprister, 30.000 Schwestern und tausende Ordenspriester und Laienbrüder stammen aus der syro-malabarischen Kirche und sind in Diözesen und Kongregationen des lateinischen Ritus tätig, so dass rund 70 % aller Priester und Schwestern in Indien ursprünglich dieser Kirche angehören.

Seit 1962 – wie Pater Thomas berichtete – wird anstatt syrisch die Landessprache Malayalam in der Liturgie gebraucht. Der gesamte Qurbana ist eine ständige Darbringung von Lob, Ruhm, Ehre, Dank und Anbetung an den dreieinigen Gott und erinnert an das Leben, das Leiden, den Tod, das Begräbnis, die Auferstehung, die Himmelfahrt und die Wiederkunft Christi, des Erlösers. Die Körperhaltung in der Kirche ist mehr stehen als sitzen oder knien. Die Thomaschristen sind eine von den 22 orientalischen Kirchen. In der Liturgie der orientalischen Kirchen wird der Mysteriumsaspekt besonders unterstrichen, Wiederholung ist selbstverständlich in dieser Liturgie. Der Wortgottesdienst-Teil wird vom Bemma – Altar des Wortes – gefeiert. Dieser Teil enthält mehr katechetische und didaktische Elemente. Deshalb wird er zum Volk gewandt gefeiert. Wenn es um Darbringung des Opfers geht, drehen sich die Priester zum Altar – gewöhnlich nach Osten gerichtet. Die theologische Erklärung dieses zum Altar Gewandtseins ist: In der Darbringung des Opfers bringt der Priester mit den Gläubigen als betende Gemeinde das Opfer dar. So werden unter anderem in jeder Heiligen Messe drei bis vier Lesungen vorgetragen, und das Vaterunser zweimal gebetet. Die Worte der Wandlung werden mit dem lauten Amen der Gemeinde bestätigt. Die Erhebung des Allerheiligsten geschieht nicht gleich nach der Wandlung, sondern erst später. Die Schwingung des Weihrauchfasses ist ein ganz anderer Stil. Die Diener des Gottesdienstes haben mehr Aufgaben als Beweihräucherung. Sie annoncieren die wichtigen Teile der Feier und mahnen die Gemeinde um entsprechende Haltung zum Beispiel: Lasst uns aufstehen, lasst uns aufmerksam sein, lasst uns schweigen und beten usw. Im Detail erklärte Pater Thomas die Handlung während des Messopfers.

Pater Thomas stand abschließend für Fragen und zur Diskussion seines Vortrages zur Verfügung. Pfarrgemeinderatssprecher Joachim Bauer dankte dem Referenten mit einem kleinen Präsent für die interessanten Ausführungen, während die Gläubigen anhaltenden Applaus spendeten. (hwp)

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