Pfüat Gott, Peter Chettaniyil

Peter Chettaniyil bei seiner Abschiedsrede
Peter Chettaniyil bei seiner Abschiedsrede

Pfarrvikar Peter verlässt Grafenwiesen in Richtung Niederbayern

Bewegend und tränenreich verlief am Samstagabend der Abschiedsgottesdienst von Pfarrvikar Peter im Gemeinschaftshaus am Kurpark in Grafenwiesen. Wie oft haben ihm wohl die Pfarrangehörigen an diesem Abend das fromme, bayerische Sprichwort „Pfüat Gott“, auf hochdeutsch „Behüte Dich Gott“, gewünscht? Acht Jahre lang verrichtete er treu seine Dienste als Pfarrvikar im Namen Gottes und eroberte im Nu die Herzen der Menschen. Er begegnete allen Leuten, egal ob Kirchgänger oder normaler Christ, ob Jung und Alt mit einer ausstrahlenden Herzlichkeit und Wärme, die alle anrührte.

Als Missionar aus Kerala (Südindien) machte es sich „unser Pfarrer“ zur Aufgabe, neben den vorhandenen, kirchlichen Gegebenheiten durch Einführung weiterer spiritueller Veranstaltungen – wir berichteten bereits – die Menschen für den Glauben zu begeistern, in die Kirche zu bringen und hin zu Gott zu führen. Dies ist ihm auch in allen Bereichen gelungen.

Als Freund und Gönner der Vereine und Institutionen war es für diese eine Selbstverständlichkeit, Pfarrvikar Peter als einen der ihren in die Gemeinschaft aufzunehmen. Für die Leute, so hört man sagen, ist er ein Ehrenmann, dem man von allen Seiten Hochachtung zollt. Gerne hätten sie „ihren Pfarrer“ noch lange in Grafenwiesen behalten.

Zum Abschiedsgottesdienst fanden sich viele Gläubige im Gemeinschaftshaus ein, teils mussten sie sich mit einem Stehplatz außerhalb begnügen. Die feierliche Messe zelebrierte Pfarrvikar Peter, Diakon Thomas Bauer und Pfarrer Dr. Johann Tauer. Die würdige musikalische Gestaltung dazu übernahm Organist und Kirchenmusiker Roland Häring mit seinem Männerchor.

Vor dem Kyrie ließ Pfarrer Tauer einen persönlichen Buß-Akt einfließen. Wörtlich sagte er: »Mein Verhalten war – aus der Perspektive der Gläubigen betrachtet, die ich nachvollziehen kann – nicht genügend klug und vorausschauend. Ich habe sicher überreagiert, aber auch ich bitte um Nachsicht«. Dankbar äußerte er sich den Verantwortlichen gegenüber, die ihn zur Aussprache am runden Tisch aufforderten. Tauer wünsche und hoffe für die Zukunft, dass die Pfarrangehörigen mit ihm persönlich den Kontakt suchen, wenn Bedarf besteht.

Dr. Peter Chettaniyil durchleuchtete in seiner Ansprache dankbar die acht Jahre seiner Dienstzeit in Grafenwiesen. Wie er eingangs erwähnte, wollen in ihm die schönen Erinnerungen und die gute Zusammenarbeit mit den Grafenwiesenern immer lebendig bleiben. Im weiteren Verlauf wies er auf die „Frohe Botschaft“ hin, die nicht immer „froh“ kommt. Egal wie wir handeln, werden wir doch oft missverstanden. Auch mit Jesus geschieht dasselbe. Wir verlieren aber nicht unseren Mut. Jesus begleitet uns immer. Pfarrvikar Peter weiter: Für mich ist die Zeit da, Abschied zu nehmen. In den acht Jahren, der beste Alters-Abschnitt im Leben eines Pfarrers, habe ich glücklich und fleißig mit euch gearbeitet. Ich versuchte, immer mein Bestes zu geben und ich kann ehrlich sagen, dass ich mich bemüht habe, für euch da zu sein. Ich habe meine Arbeit an dem Dienstspruch aus dem Buch der Sprichwörter orientiert. An dieser Stelle: Ich werde immer wieder gefragt: „Wollen Sie gehen oder müssen Sie gehen? Nein, dieses Mal wollte ich gehen, weil sich die Situation in unseren Gemeinden verändert hat“. So gibt es in jeder Gemeinde und Gesellschaft Meinungsverschiedenheiten, aber letztendlich sollte man einen gemeinsamen Weg finden. In den acht Jahren habe ich immer versucht, nicht Herr über euren Glauben, sondern Diener eurer Freude zu sein. Es ist ganz wichtig zu wissen, die Meinungen unserer Mitmenschen zu akzeptieren und zu respektieren. Seinen aufrichtigen Dank sagte Peter Chettaniyil allen Freunden für das, was sie für ihn getan haben, sichtbar oder stillschweigend. Nur so war seine seelsorgliche Mitarbeit in Grafenwiesen möglich. Er verlas einzeln alle Namen der Helferinnen und Helfer usw. Besonders erwähnte er die sechs Jahre herzliche und mitbrüderliche Zusammenarbeit mit Pfarrer Karl-Heinz Seidl und die kirchlichen Gremien.

Pfarrer Tauer verglich die Tätigkeit eines Priesters mit einer Schule und sagte, basierend aus dem Evangelium, worin es heißt: Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst und folge mir nach. Pfarrer Peter habe jetzt acht Jahre Schulstunden in Grafenwiesen verbracht. Er dankte Pfarrer Peter besonders für die ihm zuteil gewordene Unterstützung, die er ihm bei seinem Neuanfang in Grafenwiesen vor zwei Jahren zukommen ließ.

Anschließend leitete Pfarrgemeinderatssprecher Joachim Bauer die Laudatio auf den scheidenden Priester ein. Er meinte, bei allem Abschiedsschmerz blicke er dankbar zurück auf die Spuren, die Pfarrvikar Peter hinterlassen habe. Er hat es verstanden, auf die Menschen zuzugehen und sich um sie zu kümmern. Die Gläubigen suchten Rat und Trost bei ihrem Seelsorger. „In den acht Jahren haben Sie soviel bewirkt, das alles hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen“, so Bauer. Er erwähnte als erstes die Indienreise, die von ihm zusätzlich eingeführten Gottesdienste und vieles mehr. Als Vertreter der Pfarrgemeinde dankte Joachim Bauer für die gute Zusammenarbeit. Für seinen weiteren Lebensweg wünschte er Pfarrvikar Peter Gottes Segen und überreichte ihm eine Geldspende von Pfarrgemeinderat, Kirchenverwaltung und den Teilnehmern des Männergottesdienstes.

Bürgermeister Josef Häring schloss sich seinem Vorredner an und meinte: „Der Himmel weint“, weil uns Pfarrer Peter verlässt. Die Gemeinde Grafenwiesen bedauert den Weggang eines überaus beliebten Priesters. Er sei ein Mann, der die Leute für den Gottesdienst begeistern kann. Sehr schnell wurde er als Mitglied unserer Dorfgemeinschaft geschätzt. Gerne erinnert sich der Rathauschef an die Feier des Silbernen Priesterjubiläums, die in Grafenwiesen unvergessen bleiben wird. Mit bestem Dank für sein segensreiches Wirken hier und den besten Wünschen für seine Zukunft überreichte Sepp Häring eine Geldspende der Gemeinde zusammen mit den Dorfvereinen und zusätzlich eine Bildtafel mit den Vereinswappen.

Im Namen des Kirchenchores dankte Roland Häring Pfarrvikar Peter für die angenehme freundschaftliche Zusammenarbeit, wünschte alles Gute und ließ Worte eines irischen Gebetes sprechen und übergab eine Geldspende. Zum Abschluss marschierten die Ministranten in Reih und Glied mit einer Sonnenblume vor den Pfarrer hin und verabschiedeten sich mit Tränen in den Augen.

Der scheidende Geistliche wünschte abschließend allen Gottes reichen Segen und eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Seelsorger. (hwp)

Bei der Abschiedsmesse
Der Männerchor
PGR-Sprecher Joachim Bauer
BGM Josef Häring
Übergabe Geschenk
Abschied von den Ministranten
Pfarrer Peter
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